Gib „rechts“ keine Chance

Ob im Betrieb, in der Kneipe oder bei Familienfeiern: Es wird gelästert, beleidigt, gemobbt und gelegentlich sogar geschlagen. Menschen anderer Religion, Hautfarbe, Nationalität, sexueller Orientierung oder anderen Geschlechts werden diskriminiert. Doch oft sind wir sprachlos. Wissen nicht, wie wir antworten sollen. Vor allem wenn der Fußballfreund oder die nette Tante ihre diskriminierenden Einstellungen zeigen.

Klaus Rosellen

Schriftführer Mut und Courage e.V.

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Immer die anderen?

Ob im Betrieb, in der Kneipe oder bei Familienfeiern: Es wird gelästert, beleidigt, gemobbt und gelegentlich sogar geschlagen. Menschen anderer Religion, Hautfarbe, Nationalität, sexueller Orientierung oder anderen Geschlechts werden diskriminiert. Doch oft sind wir sprachlos. Wissen nicht, wie wir antworten sollen. Vor allem wenn der Fußballfreund oder die nette Tante ihre diskriminierenden Einstellungen zeigen.

Entgegnen – überall

Rassismus beschränkt sich nicht auf die rechte Szene. Er begegnet uns überall. Auch in Schule und Beruf. Und wir können überall etwas dagegen tun. Indem wir etwas dagegen sagen. Indem wir uns der Auseinandersetzung stellen.Überzeugte RassistInnen oder Nazis werden ihre Meinung vielleicht nicht durch ein Gespräch ändern. Aber sie spüren den Gegenwind. Und du kannst Zuhörer gewinnen und begeistern. Für Solidarität und Gleichheit.

Das Schweigen brechen

Hier findest du einige weit verbreitete diskriminierende und rassistische Vorurteile. Und Fakten und Argumente, mit denen du sie entkräften kannst. So kannst du diskriminierenden und fremdenfeindlichen Äußerungen den Boden entziehen.

1. Ausländer nehmen uns die Arbeitsplätze weg. — Diese Einstellung ist leider weit verbreitet. Nicht nur bei rechtspopulistischen Parteien. Auch im bürgerlichen Spektrum. Doch hier treffen sich Vorurteil und Unkenntnis.

Arbeit für AusländerInnen?

Deutsches Recht schreibt vor, dass ein Arbeitsplatz nur an Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit vergeben werden kann, wenn zuvor kein/e Deutsche/r für diese Arbeit gefunden wurde. Insbesondere Asylsuchende dürfen während der ersten neun Monate ihres Aufenthalts gar nicht arbeiten – das verbietet ihnen das Gesetz. Auch danach benötigen sie eine Beschäftigungserlaubnis, der die Bundesagentur für Arbeit zustimmen muss.

Arbeitnehmerfreizügigkeit in Europa

Innerhalb der Europäischen Union kann jede/r UnionsbürgerIn in jedem Mitgliedstaat, dessen Staatsangehörigkeit sie oder er nicht besitzt, unter den gleichen Voraussetzungen eine Beschäftigung ausüben wie Staatsangehörige (etwa deutsche Saisonarbeitende in Österreich).

Viele Arbeitslose – wenig AusländerInnen

In den neuen Bundesländern gibt es die höchste Arbeitslosenquote. Obwohl hier die wenigsten AusländerInnen leben.

Andere investieren in Deutschland

Ausländische Unternehmen tätigen in Deutschland Investitionen. Und die deutsche Wirtschaft ist dringend auf sie angewiesen: Über 220.000 ausländische Unternehmen haben inzwischen über 2,7 Millionen Arbeitsplätze in Deutschland geschaffen. Auch für Deutsche. Sie erwirtschaften einen zweistelligen Milliardenbeitrag – Jahr für Jahr. Entsprechend zahlen sie auch eine Menge Steuern.

Arbeitsplätze schaffen

Selbständige AusländerInnen schaffen doppelt so viele Arbeitsplätze wie vergleichbare deutsche ExistenzgründerInnen.

Alte Deutsche

Aus demographischen Gründen braucht Deutschland EinwandererInnen. Die Gesellschaft droht zu überaltern. Fachkräfte fehlen. Zuwanderung hilft.

Das Recht auf Hoffnung

Ganz grundsätzlich: Es ist legitim, wenn Menschen hierher kommen, die Deutschland nicht in erster Linie „nutzen“. Die Hoffnung auf eine bessere Lebensperspektive oder die Suche nach Schutz vor Hunger und Verfolgung sind mehr als ausreichende Gründe. Es sind Menschenrechte. Dies wird und wurde auch andersherum genutzt: So wanderten allein im Jahr 2013 über 140.000 deutsche Staatsangehörige aus, um ihr Glück in einem anderen Land zu versuchen.

2. Arbeitslose Ausländer sind selbst schuld, weil sie schlecht qualifiziert sind. — Der faule, dumme Ausländer hält sich hartnäckig als Vorurteil. Die Sachlage scheint einfach. Ist sie das?

Fehlende Anerkennung

Ausländische Diplome und Abschlüsse werden in Deutschland oft nicht anerkannt. Ob IngenieurIn, Arzt oder Ärztin: In Deutschland können sie nicht ohne Weiteres arbeiten.

Überdurchschnittlich gebildet

Viele Menschen, die aus dem Ausland nach Deutschland kommen, sind überdurchschnittlich gut ausgebildet. So stellte das Institut der deutschen Wirtschaft bspw. fest, dass 25 Prozent der eingewanderten Personen aus Rumänien und Bulgarien ein Studium abgeschlossen haben. Nur 19 Prozent der Deutschen können das von sich behaupten.

Mechanismen der Ausgrenzung

Ausländische SchülerInnen und Auszubildende sind von ausgrenzenden Mechanismen besonders hart betroffen. Beispiele solcher Mechanismen sind die Abhängigkeit des Bildungserfolgs von der sozialen Schicht. Oder der Bildungsstandard der Eltern.

Bilden, bilden, bilden

Ein hehres Ziel. Doch die Bundesagentur für Arbeit übergeht bei Weiterbildungsmaßnahmen viele AusländerInnen, weil ihnen Bildungsferne und andere Vermittlungshemmnisse unterstellt werden. Dabei sind beispielsweise überdurchschnittlich viele SchülerInnen an Abendschulen AusländerInnen. Sie sind also motiviert, fehlende Bildungsstandards nachzuholen.


3. Ausländer sind krimineller als Deutsche. — Verweise auf die Kriminalstatistik werden gerne angeführt. Sie scheint Sicherheit zu geben. Zur Rechtfertigung ausländerfeindlicher Einstellungen und Bemerkungen. Die Statistik lügt schließlich nicht. Oder?


Unterschiedslos AusländerIn

Die Statistik umfasst alle von Nicht-Deutschen begangenen Straftaten. Also auch die, welche von Durchreisenden, TouristInnen usw. begangen worden sind. Dazu zählen zum Beispiel auch Gewaltdelikte von Hooligans am Rande von Fußballspielen.

Nicht jede/r kann jedes Delikt begehen

Die Statistik beinhaltet auch Vergehen, die überhaupt nicht von deutschen StaatsbürgernInnen begangen werden können. So zum Beispiel Verstöße gegen das Ausländer- und Asylrecht.

Ist verdächtig genug?

Die Statistik listet nur Verdächtige auf und keine Verurteilungen. Nicht selten werden Nicht-Deutsche jedoch vorschnell einer Straftat verdächtigt. Auch aufgrund rassistischer Vorurteile. Die Zahl verurteilter ausländischer Personen ist entsprechend deutlich kleiner als die der Verdächtigten. Und straft die Statistik somit „Lügen“.

Ursachen von Kriminalität

Eindimensionale Erklärungsansätze fassen beim Thema Kriminalität zu kurz. Du kannst dein Gegenüber auf die gesellschaftspolitische Dimension des Problems hinweisen. Denn kriminelles Verhalten kann auch als – falsche – Lösung von mangelnden Perspektiven und Chancen herrühren. Und die müssen keineswegs „selbstverschuldet“ sein.

MigrantIn zu sein ist schwer

MigrantInnen finden deutlich schwerer einen Ausbildungsplatz oder Beruf als ihre deutschen MitbewerberInnen. Die Quote war 2007 mit 20,3 Prozent fast doppelt so hoch wie in der Gesamtbevölkerung. Laut einer Umfrage der Friedrich-Ebert Stiftung von 2011 fordert sogar jeder fünfte Arbeitgeber das Recht, nur Einheimische einzustellen.

Gleiche Chance für alle?

Nach dem Schulabschluss wünschen sich viele einen Ausbildungsplatz. Doch selbst bei gleichen Leistungen: Die Chancen migrantischer SchülerInnen, eine vollqualifizierende Ausbildung zu beginnen, liegen deutlich unter denen von deutschen AbgängerInnen.

4. Homosexualität finde ich krank. Den Menschen muss man doch helfen können. — Solchen Bemerkungen sind vermutlich schon einige von uns begegnet. Oft genug bleibt es nicht dabei: Häufig werden Menschen gleichgeschlechtlicher oder bisexueller Orientierung Opfer von Beleidigungen oder tätlicher Gewalt.

Homo? Aber immer!

Homosexualität ist seit jeher eine Form menschlicher Sexualität. Das zeigen zahlreiche literarische und bildliche Quellen. Schon in der Antike wurde gleichgeschlechtlich geliebt.

Unnatürlich? Großer Quatsch!

Oft wird behauptet, Homosexualität sei unnatürlich. Dies ist umfassend widerlegt. ForscherInnen haben homosexuelles Verhalten bei rund 1.500 Tierarten festgestellt. Bei Giraffen sind beispielsweise mindestens 30 Prozent aller sexuellen Handlungen gleichgeschlechtlich. Ausgestorben sind sie deswegen nicht.

Der Umgang mit Klassikern

Homo- oder Bisexualität sind keine Modephänomene. Nur der öffentliche Umgang mit ihnen hat sich im Lauf der letzten Jahrhunderte immer wieder verändert – je nach politischen oder religiösen Einflüssen.

Lust und Liebe

Sexualität und körperliche Nähe lassen sich nicht auf die Fortpflanzung reduzieren. Sie dienten schon immer auch dem Lustgewinn. Und der Stabilisierung sozialer Beziehungen. Übrigens auch im Tierreich.

Gleiches Recht für alle

Alle haben das gleiche Recht, zu lieben und Sexualität auf ihre Weise auszuleben.

5. In der Demokratie haben alle das Recht, zu demonstrieren. — Immer wieder versuchen Nazis mit solchen Sätzen, ihre Demonstrationen juristisch zu rechtfertigen. Aber auch engagierte Demokrat_innen kann eine mögliche Einschränkung der Meinungsfreiheit verunsichern. Das muss nicht sein.

Meinungsfreiheit gegen die Meinungsfreiheit?

Nazis sehen sich als politische Erben des NS-Staates. Als Nachfolger eines Staates, der Meinungsfreiheit nicht zuließ. Der gleichschaltete. Der Menschen, die nicht ins eigene Weltbild passten, Bürger- und Menschenrechte absprach. Der verfolgte und tötete.

Missbrauch von Freiheit

Nazis nutzen die Freiräume, die ihnen die Demokratie bietet. Sie bekämpfen die Demokratie. Eine ihre beliebtesten Behauptungen ist es, dass Demokraten ihnen den „Volkstod“ bringen würden. Gleichzeitig forden sie das demokratische Recht auf Demonstrationsfreiheit ein. Irgendwie komisch, oder? Sie verbreiten ihre menschenverachtende Propaganda. Nazis wollen die Abschaffung von Meinungsfreiheit und Menschenrechten. Willst du das auch?

Friedliche Meinungsbekundung?

Selbst gutbürgerlich auftretende rechtspopulistische FunktionärInnen sind nicht selten einschlägig wegen Volksverhetzung oder Körperverletzung vorbestraft. Allein ein Drittel von ihnen wurde bereits verurteilt oder steckt aktuell in Verfahren. Sie zeigen so ihr wahres Gesicht.

Meinung oder Verbrechen

Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen. Eines, gegen das du Stellung beziehen kannst. Wir können Nazidemos verhindern. Auch mit Sitzblockaden. Wir überlassen öffentliche Räume nicht kampflos!


6. Ausländer kommen nur nach Deutschland, um den Sozialstaat auszunutzen. — Es ist alarmierend: Fast 30 Prozent der Bevölkerung stimmen dieser Aussage zu. Das hat eine Studie der Friedrich-Ebert Stiftung aus 2014 ergeben.


Kein Grundrecht auf Asyl

Seit der Abschaffung des Grundrechts auf Asyl im Jahr 1993 ist die Anzahl der AsylbewerberInnen in Deutschland lange Zeit gesunken. Erst im Zuge der Verschärfung weltweiter Krisen (etwa den Kriegen in Syrien und im Irak) kommen wieder mehr AsylbewerberInnen nach Deutschland.

Deutschland – wie findet man den Weg ins „Paradies“?

Mit der Osterweiterung der Europäischen Union und der Ausweitung des Schengener Abkommens ist es für Flüchtlinge von außerhalb Europas kaum noch möglich, Deutschland überhaupt zu erreichen. Deutschland nimmt rund 1,5 Flüchtlinge pro 1.000 EinwohnerInnen auf. In Schweden dagegen kommen 6 Flüchtlinge auf 1.000 EinwohnerInnen. Im Libanon, selbst ein armes Land, sind es sogar 178 Flüchtlinge pro 1.000 EinwohnerInnen. Deutschland wird also keineswegs überfordert.

Abschiebungspraxen

Nach Deutschland dürfen kommen: Kriegsflüchtlinge, Folteropfer und politisch Verfolgte. Und selbst hier wird strikt überprüft. Und im Zweifel abgeschoben.

Wer bekommt was?

Sozialleistungen erhalten in Deutschland grundsätzlich nur Menschen mit dauerhafter Aufenthaltsgenehmigung. AsylbewerberInnen und Flüchtlinge erhalten 40 Euro Taschengeld im Monat. Plus ein Mindestkontingent für Essen, Wohnen und Körperhygiene. Außerdem gelten für sie erst Arbeitsverbote und später erschwerter Zugang zum Arbeitsmarkt. Sie haben also keine andere Wahl, als die Sozialleistungen in Anspruch zu nehmen.

MigrantInnen bereichern

Bei einer Kosten-/Nutzen-Rechnung stellt man fest: MigrantInnen stützen mit ihren Steuerleistungen das Sozialsystem insgesamt deutlich stärker, als dass sie es belasten. Nach Abzug aller Kosten finanzieren sie so die Kassen der Bundesrepublik im Schnitt mit über 2.000 Euro pro Person. Dies unter anderem auch, weil Migrant_innen in der Regel nur wenig Rente erhalten.

7. Wenn man etwas gegen Rechtsextremismus tun will, muss man auch etwas gegen den Linksextremismus machen.— Nicht nur geschulte Nazikader wollen mit diesen Worten bei Diskussionen Kritik von sich ablenken. Auch das konservative politische Lager verfällt auf ähnliche Argumente. Auch, um antifaschistische Initiativen zu diskreditieren.

Die Frage der Gewalt

Nein. Man darf PolizistInnen bei Demos nicht mit Flaschen oder Steinen bewerfen. Aber rechte Gewalt hat ein ganz anderes Ausmaß. Rechte beschimpfen Menschen wegen ihrer Herkunft oder sexuellen Orientierung. Sie schlagen und treten Menschen zusammen. Sie töten. Die Initiative „Mut gegen rechte Gewalt“ hat allein seit 1990 insgesamt 184 Todesopfer rechtsextremer Gewalt recherchiert.

Die Ziele

Es greift zu kurz, nur auf der Handlungsebene zu bleiben. Man muss die Motivation der Handelnden hinterfragen. Rechtsextreme schließen Menschen aus, weil sie denken, diese seien weniger wert. Linke Ideen träumen von einem besseren Leben für alle.

Der Rassismus der Mitte

Die Links-Rechts-Gleichsetzung hinkt. Sie geht von einer Gesellschaft mit politisch korrekter Mitte aus. Einer Mitte, die Diskriminierung, Rassismus oder Antisemitismus nicht kennt oder ablehnt. Nach einer Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung von 2014 sind diese Einstellungen jedoch auch genau dort vorhanden und zum Beispiel auch bei den WählerInnen sämtlicher politischer Parteien messbar.

Die „Hufeisentheorie“ greift nicht

Links- und Rechtsextremismus sind laut sogenannter „Hufeisentheorie“ sich ähnelnde Ränder einer neutralen Mitte. Doch dieses Gesellschaftsmodell ist in der Wissenschaft stark umstritten. Es wird der Realität nicht gerecht. Denn Rassismus und Antisemitismus finden sich nicht nur bei den Rechten. Es gibt sie in allen Schichten und Strömungen der Gesellschaft.

8. Es muss auch einmal Schluss sein mit der ewigen Schuld Deutschlands an den Verbrechen des Nationalsozialismus. — Nazis schweigen die Verbrechen des Nationalsozialismus tot. Oder leugnen sie. Aber auch die Mitte der Gesellschaft konfrontiert uns mit diesem Standpunkt. Oft begleitet von sehr emotionalen Diskussionen. Wichtig ist hier ein klarer Kopf. Durch offensives Nachfragen kannst du aus dieser großen These mehrere kleine herauskitzeln. Und die sind wesentlich leichter zu widerlegen. Also:

Wer, wie, was

Was ist mit Schuld gemeint? Über wen und über was wird hier konkret gesprochen? An wen ist diese Aussage adressiert?

Zur Geschichte

Es gilt unmissverständlich festzuhalten: Hitler und die Nationalsozialisten wurden demokratisch gewählt. Der Nationalsozialismus ist nicht einfach über Deutschland hereingebrochen. Teile der Bevölkerung haben ihn aktiv unterstützt und groß gemacht. Pogrome, Deportationen, Enteignungen, Vertreibungen. Sie konnten nicht ohne passive Duldung oder aktive Beihilfe durch die Bevölkerung geschehen.

Die Schuldfrage

Das Deutsche Reich hat Polen angegriffen. Es hat mit dem Feldzug für „mehr Lebensraum im Osten“ den 2. Weltkrieg entfesselt. Unbestreitbar.

Zur Gegenwart

„Schuld“ als juristische Kategorie setzt voraus, an einem Geschehen beteiligt gewesen zu sein. Niemand aus der jüngeren Generation hat also in diesem Sinne „Schuld“. Aber es geht um Verantwortung.

Verantwortung für Gegenwart und Zukunft

Solche Verbrechen an der Menschheit sollen sich nie mehr wiederholen. Deshalb ist die Erinnerung an die Verbrechen so wichtig. Wir sagen Antisemitismus, Diskriminierung und Rassismus den Kampf an. Denn den Vorurteilen, die Verbrechen gegen Juden, Nicht-Deutsche, Sinti und Roma, Homosexuelle und Menschen mit Behinderung mitauslösten, begegnet man auch heute noch. Mitten unter uns. Aber ohne uns!

9. Deutschland und seine Kultur werden durch die vielen Ausländer in gefährlichem Maße überfremdet!— Über 29 Prozent der Deutschen stimmen dieser Aussage laut einer Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung von 2014 zu. Aber wer ist mit „den Ausländern“ gemeint?

Alle in einen Topf?
Bei solchen Aussagen werden oft alle pauschal zusammengefasst: AusländerInnen (Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit), Menschen mit Migrationshintergrund (alle Menschen, die selbst oder deren Eltern/Großeltern nach 1949 in das Gebiet der heutigen BRD zugezogen sind) und Menschen, die einfach anders aussehen.

Ein bisschen MigrantIn sind fast alle

Viele der Menschen, die sich heute ganz selbstverständlich als Deutsche sehen, haben in ihrer Familiengeschichte selbst einen Migrationshintergrund. Wanderungsbewegungen sind so alt wie die Menschheit selbst.

Geben und Nehmen

Die BRD hat über viele Jahre gezielt Menschen aus anderen Ländern angeworben. Sie waren willkommen. Um hier den Arbeitskräftemangel auszugleichen.

Typisch deutsch?

Vieles, was wir heute als typisch deutsch ansehen, ist durch andere Länder und Kulturen geprägt. Bier beispielsweise wurde auf dem Gebiet des heutigen Irak erfunden. Und auch unsere Sprache ist vielfältiger als das Hochdeutsche. Nehmen wir beispielsweise BayerInnen und PfälzerInnen. Sprechen beide in ihrem Dialekt, werden sie sich kaum verstehen.

10. Eine Frauenquote kann auch nicht die Lösung sein. — Frauen in Führungspositionen erhitzen schnell die Gemüter. Geschlechtergerechtigkeit wollen viele, doch bei der Frage nach dem Mittel zum Zweck scheiden sich die Geister.

„Eine Frauenquote diskriminiert Männer!“

Eine Frauenquote soll Männer nicht diskriminieren, sondern eine systematische Ausgrenzung von Frauen bei Neueinstellungen und bei der Besetzung von Führungspositionen verhindern. Studien zeigen, dass das bisherige Rekrutierungsverfahren von Männern diskriminierend für Frauen ist: Männer berücksichtigen bei Einstellungs- und Förderentscheidungen tendenziell ihresgleichen, also Männer. Eine gesetzliche Regelung muss her, weil dieses Verhalten durch freiwillige Abmachungen bisher nicht durchbrochen wurde.

„Ist es denn nicht ungerecht, wenn Frauen bevorzugt werden?“

Unsere Bevölkerung besteht zu fünfzig Prozent aus Frauen. Ist es nicht ungerecht, wenn sie nur zu einem verschwindend geringen Anteil Positionen mit Gestaltungsraum in der Gesellschaft einnehmen? Frauen werden durch eine Quotierung nicht bevorzugt, ihnen wird aber eine faire Teilhabechance ermöglicht. Wir wollen in einer Gesellschaft leben, in der Frauen und Männer gleichermaßen in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft beteiligt sind.

„Eine gesetzliche Quote verletzt die unternehmerische Freiheit!“

Seit über einem Jahrzehnt gibt es eine Vereinbarung zwischen der Bundesregierung und den Arbeitgeberverbänden zur Förderung der Chancengleichheit in der Privatwirtschaft. Sie blieb bis heute ohne jede feststellbare Wirkung und ist daher als gescheitert anzusehen. Laut Untersuchungen war die sogenannte Wirtschaftskrise auch eine Krise der Kontrollgremien, letzter haben infolge ihrer fast ausschließlich männlichen Zusammensetzung erheblich versagt. Nach unserem Verständnis ist es eine der zentralen Aufgaben des Staates, die Wirtschaft demokratisch so zu kontrollieren, dass sie den Menschen dient – nicht umgekehrt. Dementsprechend muss der Staat hier regulierend einschreiten.

„Nicht Geschlecht, sondern Leistung und Qualifizierung sollen die Besetzung von Führungspositionen bestimmen. Eine Quote macht Geschlecht zum Auswahlkriterium!“

Die Realität zeigt aber, dass auch ohne Quote das Geschlecht eine Rolle spielt – und zwar zugunsten von Männern, die sich gegenseitig die guten Positionen zuschieben. Eine Quote soll nicht ändern, dass Leistung das erste Auswahlkriterium bleibt. Sie soll aber für eine gerechtere Berücksichtigung der Kategorie „Geschlecht“ sorgen. Außerdem gilt: Frauen haben mittlerweile die höheren Bildungsabschlüsse. Trotzdem liegt der Anteil der Frauen in Führungspositionen in den 200 größten Unternehmen bei unter zehn Prozent, im Top-Management sogar nur bei rund drei Prozent. Es überzeugt wenig, dass Frauen mit dem Einstieg in die Berufswelt auf einmal weniger leistungsfähig sein sollen als während der Ausbildung.

„Frauen wollen sowieso keine Karriere machen, sondern lieber die Kindererziehung übernehmen!“

Jede Frau ist unterschiedlich – manche wollen Karriere, manche Kinder und viele beides. Im Beruf kommen sie nur nicht dazu, weil Männer sich gegenseitig in hohe Ämter rekrutieren. Frauen machen gute Geschäfte: US-amerikanische Studien belegen einen Zusammenhang zwischen einem höheren Anteil von Frauen im Aufsichtsrat und einer höheren Leistungsfähigkeit des Unternehmens. Demnach haben Frauen wichtige Entwicklungen am Markt besser im Blick und erwirtschaften kontinuierlicher Gewinne als Männer. Viele Frauen sind aber auch gerne Mütter – daher brauchen wir eine Familienpolitik, die Kinder und Karriere zulässt.

„Eine fixe Quote lässt sich in Branchen und Unternehmen mit nicht ausreichend qualifizierten Frauen kaum aufrechterhalten!“

Davor brauchen wir keine Angst zu haben – Norwegen hat es vorgemacht: Nach Einführung der Frauenquote tauchten dort innerhalb kürzester Zeit die qualifizierten Frauen auf, die doch all die Jahre zuvor scheinbar nicht zu finden waren.


Strategien, um zu überzeugen

Du kennst die Fakten und weißt gute Argumente, um deine/deinen GesprächspartnerIn zu überzeugen. Doch was ist, wenn er ablenkt oder deine Argumente ignoriert? Wir haben einige Strategien zusammengestellt, welche die Wirksamkeit deiner Argumente erhöhen können. Wenn du beispielsweise Fakten mit einer persönlichen Geschichte oder Erfahrung greifbar machst oder sie mit Witz erzählst, packst du dein Gegenüber leichter.

Schaffe dir Verbündete

Beteilige KollegInnen am Gespräch oder greife deren Argumente auf. Und seien sie noch so banal. Das schafft eine sichere Ebene für das weitere Gespräch. Wenn du dich unbeteiligten KollegInnen zuwendest, kannst du damit der/den Parolen-SchwingerIn ins Leere laufen lassen. Denn so entziehst du ihr/ihm die Aufmerksamkeit.

Argumentiere konkret

Frage nach konkreten Zusammenhängen. Woher weißt du das? Was genau meinst du? Was stört dich persönlich daran? Dein Nachhaken verstrickt auch ein verbohrtes Gegenüber in Widersprüche und nimmt einer Diskussion das Tempo.

Lass es ruhig angehen

Wenn du selbst mit einer ruhigen Stimme sprichst, erhältst du mehr Aufmerksamkeit. Ein Gegenüber wird in der Regel so offener für andere oder ungewohnte Gedanken, als wenn man mit Geschrei seine defensive Stimmung anheizt.

Bremse Stammtischparolen aus

Dein Gegenüber jagt eine rassistische Parole nach der anderen durch den Raum. Hake ein. Such dir eine Bemerkung heraus. Verlange konsequent ihre Erklärung. Mit einer konkreten Auseinandersetzung kannst du dein Gegenüber in Erklärungsnotstand bringen.

Körperliche Überzeugung – Nein!

Keine Handgreiflichkeiten. Aber eine gezielt eingesetzte Körpersprache hilft schon. Jede/jeder möchte in einer Diskussion ernst genommen werden. Mit gebeugter Haltung und versteckten Händen machst du dich klein. Mit verschränkten Armen signalisierst du Abwehr, mit geöffneter Haltung und festem Stand zugleich Offenheit und Selbstbewusstsein.

Ein Rückschritt ist manchmal ein Fortschrit
t

Dir fehlen Hintergrundinformationen? Oder hast du einfach einen schlechten Tag? Wenn du dich selbst nicht sicher fühlst beim Argumentieren, warum verschiebst du die Diskussion nicht einfach auf später? Damit zeigst du auch, dass es sich für dich um eine ernst zu nehmende Angelegenheit handelt. Beim nächsten Aufeinandertreffen kannst du vielleicht schon mit guten Argumente übezeugen.

Kein Podium für Nazis

Vorsicht bei geschulten Nazikadern. Sie springen zwischen verschiedenen Themen. Oder versuchen durch dominantes Redeverhalten die Oberhand zu behalten. In diesem Fall solltest du dich auf die ZuhörerInnen konzentrieren. Schieb die/den Nazi an den Rand deines Gesprächs.

 



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